Pressespiegel
Visionen in die Tat umsetzen
„Café - Bistro - Restaurant Visione" – ein Integrationsbetrieb
Im Herzen der Altstadt von Kaiserslautern gelegen, bietet das „Café - Bistro - Restaurant Visione" für Gäste, sowie für die dort Beschäftigten, einen Gastronomiebetrieb der anderen Art. Nach dem Visione-Motto: „Alles außer gewöhnlich“ arbeiten in dem Integrationsbetrieb behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammen und leisten einen wichtigen Beitrag zum Leitbild der Sozialen Stadt Kaiserslautern.
Wer das Anwesen in der Gaustraße 1 vor der Renovierung kannte, wird bei seinem ersten Besuch sicher erstaunt darüber sein, das alte denkmalgeschützte Sandsteingebäude und die Gasträume so stilvoll hergerichtet zu sehen. Mehr oder minder war es einer schicksalhaften Wandlung zu verdanken, dass die Besitzerin des Hauses, die eigentlich nicht mehr an einen gastronomischen Betrieb verpachten wollte, von der Projektidee erfuhr und ihre Unterstützung zusagte. Das Anwesen ist in Besitz der jüdischen Familie Wertheimer und Dr. Julius Wertheimer betrieb dort eine Armenpraxis. Bertha Wertheimer, seine geistig behinderte Tochter, wurde im Rahmen der von Nazis erlassenen Verordnung zur Vernichtung unwerten Lebens in die Anstalt Cholm in Polen deportiert und dort am 3.12.1940 ermordet.
Das „Visione“ ist ein Integrationsbetrieb der IntAkt gGmbH, als Gesellschafter fungiert der Verein „Gemeinsam leben und lernen“ der 51 % der Anteile hält. Ein Integrationsbetrieb steht für ein Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes, welches sich in besonderem Maße die Beschäftigung schwer vermittelbarer, behinderter Menschen zur Aufgabe macht. Ziel eines solchen Integrationsprojektes ist es, die berufliche Zusammenarbeit behinderter und nicht behinderter Menschen zu fördern, sowie Arbeitsplätze für schwer behinderte Menschen zu schaffen bzw. sie für die dauerhafte Beschäftigung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Der Anteil an schwer behinderten Menschen liegt in der Regel bei 50 %, wodurch das Unternehmen eine Ausgleichsabgabe für den besonderen Aufwand, der mit der Beschäftigung eines hohen Anteils an Menschen mit Behinderung verbunden ist, erhält und hierdurch marktfähig bleiben kann.
Die ehrenamtlichen Geschäftsführer Ulrike Glück, Birgit Valnion und Jürgen Lorenz beschäftigen sich schon lange mit der Integration behinderter Menschen und engagierten sich im Verein „Gemeinsam leben und lernen“. Die beiden Lehrerinnen unterrichten bereits seit 1992 Schülerinnen und Schüler in Integrationsklassen und konnten sich so Erfahrungen sammeln, die ihnen heute entgegen kommen.
„Die Schwierigkeit besteht darin, nach der Schulzeit einen geeigneten Ausbildungsplatz zu bekommen.“ so Frau Valnion. Ziel der IntAkt gGmbH ist es, im Cafe Visione behinderte Menschen in die Gesellschaft zu integrieren und mit Hilfe einer individuellen Ausbildung den Übergang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Im Praktikum durchlaufen die Beschäftigten verschiedene Arbeitsbereiche, wie z. B. Service und Küche, Raum- und Wäschepflege um ihre individuellen Eignungen und somit den späteren Einsatzort herauszufinden. Den jungen Menschen soll die Möglichkeit eröffnet werden, unabhängig vom Elternhaus und Sozialleistungen ein selbstständiges Leben zu führen. Sie erleben sich als wichtigen Teil eines Teams und können fachliche sowie soziale Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Geboten wird im „Visione“ ein abwechslungsreicher Mittagstisch, hausgemachte Kuchen mit Teeund Kaffeespezialitäten sowie am Abend eine Auswahl an mediterranen und regionalen Speisen. Durch Menü- und Themenabende (mittwochs) sowie saisonale Angebote wird die Speisekarte immer wieder bereichert. Für Gäste, die gerne nur ein Getränk zu sich nehmen möchten, laden die Lounge und der Bistrobereich zum Verweilen ein. Ebenso steht für Geschäftsbesprechungen und Feierlichkeiten zusätzlich ein Nebenzimmer bzw. Seminarraum zur Verfügung. Alle Räumlichkeiten sind barrierefrei und können problemlos mit Rollstühlen befahren werden.
Nicole Gilcher
Quelle: Zeitschrift AS, Magazin unserer sozialen Stadt, Ausgabe 02/2007



